Migräne werden oft nur als starke Kopfschmerzen betrachtet, aber sie können auf viele verschiedene Arten auftreten. Eine Art, genannt vestibuläre Migräne, ist etwas anders. Sie beeinträchtigt hauptsächlich Ihr Gleichgewichtsempfinden und lässt Sie schwindelig werden oder das Gefühl haben, der Raum drehe sich. Dies kann mit oder ohne Kopfschmerzen auftreten und Ihren Tag erheblich beeinträchtigen.
Lassen Sie uns aufschlüsseln, worum es bei der vestibulären Migräne geht.
Vestibuläre Migräne verstehen
Was ist eine vestibuläre Migräne?
Die vestibuläre Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die das Gleichgewicht und die räumliche Orientierung beeinträchtigt. Es handelt sich um eine Form der Migräne, bei der die Hauptsymptome das vestibuläre System betreffen, das für unseren Gleichgewichtssinn und unsere Position im Raum verantwortlich ist. Dies bedeutet, dass manche Menschen mit vestibulärer Migräne zwar Kopfschmerzen haben, viele jedoch nicht.
Stattdessen ist das Leitsymptom Schwindel (Vertigo) – ein Gefühl des Drehens, Benommenheit oder das Gefühl, aus dem Gleichgewicht zu sein. Dies kann sehr desorientierend sein und die täglichen Aktivitäten erheblich beeinträchtigen.
Es wird geschätzt, dass die vestibuläre Migräne die zweitlängste Ursache für Schwindel bei Erwachsenen ist. Der genaue Zusammenhang zwischen vestibulärer Migräne und klassischer Migräne wird noch erforscht, aber es ist klar, dass es sich um eine eigenständige Erkrankung handelt, die Aufmerksamkeit verdient.
Hauptsymptome der vestibulären Migräne
Die Erfahrung einer vestibulären Migräne kann von Person zu Person sehr unterschiedlich sein, aber es gibt einige Hauptsymptome, die häufig berichtet werden.
Das markanteste Symptom ist Schwindel (Vertigo), der sich als Gefühl des Drehens des Raumes, als Gefühl des Fallens oder als allgemeine Unsicherheit äußern kann. Dieser Schwindel kann Minuten, Stunden oder sogar Tage anhalten. Neben dem Schwindel können auch folgende Symptome auftreten:
Übelkeit und Erbrechen: Dies sind häufige Begleitsymptome, die das Unwohlsein während einer Episode oft noch verstärken.
Lichtempfindlichkeit (Photophobie) und Geräuschempfindlichkeit (Phonophobie): Ähnlich wie bei anderen Migräneformen ist eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber sensorischen Reizen häufig.
Gleichgewichtsstörungen: Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten, Standunsicherheit oder ein allgemeines Gefühl der Desorientierung.
Kopfschmerzen: Kopfschmerzen treten zwar nicht immer auf, können aber während einer vestibulären Migräneattacke vorkommen. Wenn sie auftreten, ähneln sie oft typischen Migränekopfschmerzen.
Andere Symptome: Einige Betroffene berichten von Gehirnnebel, Müdigkeit, Wortfindungsstörungen, Mundtrockenheit oder Ohrengeräuschen (Tinnitus).
Der Unterschied zwischen vestibulärer Migräne und anderen Erkrankungen
Die Abgrenzung der vestibulären Migräne von anderen Erkrankungen, die Schwindel und Gleichgewichtsstörungen verursachen, ist für eine korrekte Diagnose und Behandlung wichtig.
Eine der größten Herausforderungen besteht darin, sie vom Morbus Menière zu unterscheiden, der ebenfalls mit Schwindel, Hörverlust und Tinnitus einhergeht. Der Morbus Menière zeigt sich jedoch typischerweise mit ausgeprägten Episoden von schwerem Schwindel, schwankendem Hörverlust und einem Druckgefühl im Ohr, oft ohne Migräne in der Vorgeschichte.
Eine weitere zu berücksichtigende Erkrankung ist der gutartige paroxysmale Lagerungsschwindel (BPPV), der kurze Schwindelattacken verursacht, die durch bestimmte Kopfbewegungen ausgelöst werden. Im Gegensatz zur vestibulären Migräne geht der BPPV in der Regel nicht mit Kopfschmerzen oder anderen migräneartigen Symptomen einher.
Das Vorhandensein von Migränemerkmalen wie Licht- und Geräuschempfindlichkeit oder eine persönliche bzw. familiäre Vorgeschichte von Migräne hilft bei der Diagnose einer vestibulären Migräne. Ein Arzt wird das Muster der Symptome, ihre Dauer, Häufigkeit und alle begleitenden Merkmale sorgfältig prüfen, um eine genaue Diagnose zu stellen.
Ursachen und Auslöser
Mögliche Ursachen der vestibulären Migräne
Die genauen Ursachen, warum manche Menschen eine vestibuläre Migräne entwickeln, sind noch nicht vollständig geklärt, aber die neurowissenschaftliche Forschung deutet auf einige Schlüsselbereiche hin. Es wird angenommen, dass ein komplexes Zusammenspiel aus genetischen Faktoren und Veränderungen der Gehirnaktivität eine Rolle spielt.
Insbesondere gibt es Hinweise darauf, dass die Art und Weise, wie das Gehirn sensorische Informationen verarbeitet – insbesondere aus dem Innenohr und dem visuellen System –, bei Menschen, die zu vestibulärer Migräne neigen, anders sein könnte. Dies kann zu einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Reizen führen.
Einige Studien deuten auch auf eine Verbindung zwischen der vestibulären Migräne und anderen Erkrankungen hin, was möglicherweise auf gemeinsame zugrunde liegende Mechanismen hindeutet. Dazu gehören:
Autonome Funktionsstörungen: Erkrankungen wie POTS (Posturales Orthostatisches Tachykardiesyndrom) und orthostatische Hypotonie.
Entzündliche Erkrankungen: Wie Asthma, Allergien und Schilddrüsenerkrankungen.
Magen-Darm-Probleme: Einschließlich GERD (gastroösophageale Refluxkrankheit) und Reizdarmsyndrom (RDS).
Gewebe- und Bindegewebserkrankungen: Wie das Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS) und Hypermobilität.
Schmerzsyndrome: Wie Fibromyalgie und chronische weit verbreitete Schmerzen.
Es ist wichtig zu betonen, dass das Vorliegen dieser Erkrankungen nicht automatisch bedeutet, dass man eine vestibuläre Migräne entwickelt, aber sie sind Gegenstand laufender Forschung.
Häufige Auslöser, auf die man achten sollte
Obwohl die zugrunde liegende Ursache komplex ist, können bestimmte Faktoren bei anfälligen Patienten eine vestibuläre Migräneattacke auslösen. Das Erkennen und Vermeiden dieser Trigger kann ein wichtiger Teil des Managements dieser neurologischen Erkrankung sein. Häufige Auslöser sind:
Hormonelle Veränderungen: Schwankungen des Östrogenspiegels, insbesondere im Zusammenhang mit der Menstruation, dem Eisprung oder während einer Hormonersatztherapie, werden bei Frauen häufig als Migräneauslöser genannt.
Stress: Sowohl Phasen hoher Belastung als auch die Entspannungsphase nach dem Stress können Attacken provozieren.
Sensorische Reize: Helles oder flackerndes Licht, laute Geräusche und starke Gerüche können für manche Menschen Auslöser sein.
Schlafstörungen: Zu viel oder zu wenig Schlaf sowie Veränderungen im Schlafrhythmus können eine Episode auslösen.
Ernährungsfaktoren: Bestimmte Speisen und Getränke wie reifer Käse, verarbeitetes Fleisch, Alkohol (insbesondere Rotwein) und Koffein (sowohl Entzug als auch im Übermaß) sind bei manchen Menschen bekannte Auslöser.
Umwelteinflüsse: Auch Wetterumschwünge, Luftdruckänderungen oder Höhenunterschiede können eine Rolle spielen.
Bewegung: Unerwartete Kopfbewegungen oder die Wahrnehmung von visuellen Bewegungen (z. B. im Auto oder auf einem Bildschirm) können für Menschen mit vestibulärer Migräne besonders problematisch sein.
Diagnose und Behandlung
Wie eine vestibuläre Migräne diagnostiziert wird
Eine klare Diagnose für eine vestibuläre Migräne zu erhalten, kann manchmal ein längerer Weg sein. Oftmals wird ein Arzt Ihre Krankengeschichte zur Gehirngesundheit sorgfältig prüfen und dabei besonders auf das Muster Ihres Schwindels sowie auf eventuell begleitende Kopfschmerzsymptome achten.
Da die vestibuläre Migräne Symptome mit anderen Erkrankungen teilt, ist der Ausschluss anderer Ursachen ein wichtiger Teil des Diagnoseprozesses. Dies kann Hör- und Gleichgewichtstests beinhalten, manchmal auch bildgebende Verfahren wie ein MRT des Gehirns.
Ein wesentlicher Aspekt der Diagnose ist der Nachweis, dass die vestibulären Symptome zusammen mit Migränemerkmalen auftreten oder durch diese ausgelöst werden. Das Führen eines detaillierten Symptomtagebuchs (wann die Symptome auftreten, wie lange sie anhalten und was sonst noch passiert, wie z. B. Ihr Menstruationszyklus) kann für Ihren Arzt sehr hilfreich sein.
Behandlungsmöglichkeiten bei vestibulärer Migräne
Die Behandlung der vestibulären Migräne lässt sich im Allgemeinen in drei Kategorien einteilen, mit dem Ziel, akute Attacken zu lindern und zukünftigen vorzubeugen.
Akutbehandlung: Diese konzentriert sich auf die Linderung der Symptome während einer Attacke. Häufig werden Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen eingesetzt. Gegen den Schwindel selbst können Medikamente helfen, die das vestibuläre System beruhigen.
Vorbeugende Behandlung: Wenn die Attacken häufig auftreten oder den Alltag stark beeinträchtigen, werden vorbeugende Strategien in Betracht gezogen. Dies umfasst oft Medikamente, die auch zur klassischen Migräneprophylaxe eingesetzt werden, wie bestimmte Antidepressiva oder Antiepileptika. Ziel ist es, die Häufigkeit und Schwere sowohl der Schwindelsymptome als auch der damit verbundenen Kopfschmerzen zu reduzieren.
Lebensstilanpassungen: Das Erkennen und Vermeiden persönlicher Auslöser ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Managements der vestibulären Migräne. Dies kann Ernährungsumstellungen, Anpassungen des Schlafrhythmus und Methoden zur Stressbewältigung umfassen. In manchen Fällen kann auch eine vestibuläre Rehabilitationstherapie helfen, das Gleichgewicht zu verbessern und Schwindel langfristig zu reduzieren.
Fazit: Leben mit vestibulärer Migräne
Eine vestibuläre Migräne ist also definitiv eine ernstzunehmende Erkrankung, die den Alltag stark beeinträchtigen kann. Es sind nicht einfach nur Kopfschmerzen; es ist dieses schwindelige, drehende Gefühl, das einen völlig unvorbereitet treffen kann. Obwohl es noch keine Heilung gibt, ist das Verständnis der eigenen Auslöser ein großer Schritt nach vorn.
Ein Tagebuch zu führen, um aufzuzeichnen, was vor, während und nach einer Episode passiert, kann für Sie und Ihren Arzt sehr hilfreich sein. Die Zusammenarbeit mit einem Arzt oder Spezialisten hilft Ihnen dabei, Wege zu finden, die Symptome in den Griff zu bekommen – sei es durch Medikamente, Anpassungen des Lebensstils oder andere Therapien. Es geht darum, herauszufinden, was für Sie am besten funktioniert, um die Kontrolle zurückzugewinnen.
Referenzen
Bisdorff, A. R. (2011). Management of vestibular migraine. Therapeutic advances in neurological disorders, 4(3), 183-191. https://doi.org/10.1177/1756285611401647
Zhe, X., Zhang, H., Tang, M., Lei, X., Zhang, X., & Jin, C. (2023). Brain functional connectivity patterns associated with symptoms of vestibular migraine. Frontiers in Neuroscience, 17, 1231273. https://doi.org/10.3389/fnins.2023.1231273
Häufig gestellte Fragen
Was ist eine vestibuläre Migräne?
Die vestibuläre Migräne ist eine Migräneform, die Probleme mit dem Gleichgewichtssinn verursacht. Statt einfacher Kopfschmerzen spüren Sie Schwindel, als ob Sie sich drehen oder als ob sich die Welt um Sie herum bewegt (Vertigo). Es fühlt sich an, als ob die Kommunikation zwischen Ihrem Innenohr und dem Gehirn gestört ist, was zu diesen Gleichgewichtsproblemen führt.
Ist die vestibuläre Migräne dasselbe wie eine normale Migräne?
Sie sind miteinander verwandt, aber nicht identisch. Manche Betroffene mit vestibulärer Migräne haben auch Kopfschmerzen, viele jedoch nicht. Das Hauptmerkmal ist Benommenheit oder Schwindel. Sie wird als Migräneform klassifiziert, weil sie andere Symptome wie Licht- und Geräuschempfindlichkeit teilt und oft bei Menschen auftritt, die bereits früher Migräne hatten.
Was sind die Hauptanzeichen einer vestibulären Migräne?
Das deutlichste Symptom ist Schwindel (Vertigo), also das Gefühl des Drehens oder Schwankens. Sie fühlen sich möglicherweise unsicher auf den Beinen oder haben Mühe, das Gleichgewicht zu halten. Weitere häufige Anzeichen sind Übelkeit, Erbrechen, Licht- oder Geräuschempfindlichkeit und manchmal auch Kopfschmerzen. Einige Menschen berichten zudem von Gehirnnebel oder Wortfindungsstörungen.
Wie lange dauern diese Schwindelanfälle normalerweise an?
Die Dauer kann stark variieren. Manche Schwindelattacken dauern nur wenige Minuten, während andere mehrere Tage anhalten können. Dies ist individuell und von Episode zu Episode verschieden, kann jedoch die täglichen Aktivitäten erheblich einschränken.
Was kann eine vestibuläre Migräne verursachen?
Mediziner erforschen die genauen Ursachen noch. Wir wissen jedoch, dass eine Migräne-Vorgeschichte – insbesondere seit der Kindheit – ein großer Risikofaktor ist. Zu den Faktoren, die eine Episode auslösen können, gehören Stress, Schlafmangel, hormonelle Schwankungen, Luftdruckveränderungen sowie bestimmte Speisen und Getränke.
Können bestimmte Dinge eine vestibuläre Migräneattacke auslösen?
Ja, bestimmte Trigger können eine Attacke auslösen. Häufige Auslöser sind Stress, Schlafmangel, hormonelle Umstellungen (z. B. während des Menstruationszyklus), helles oder flackerndes Licht, laute Geräusche und ausgelassene Mahlzeiten. Manche Menschen reagieren auch auf bestimmte Nahrungsmittel wie Schokolade oder Koffein sowie auf Veränderungen des Luftdrucks.
Wie stellen Ärzte fest, ob jemand eine vestibuläre Migräne hat?
Ärzte stellen detaillierte Fragen zu Ihren Symptomen, deren Häufigkeit und dazu, ob Sie oder Ihre Familie eine Migräne-Vorgeschichte haben. Sie schließen zudem andere Ursachen für Schwindel aus, wie z. B. Probleme mit dem Innenohr. Manchmal werden spezielle Gleichgewichtstests oder bildgebende Verfahren wie ein MRT durchgeführt, um andere Probleme auszuschließen.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei vestibulärer Migräne?
Die Behandlung kombiniert meist verschiedene Ansätze. Dazu gehören Medikamente zur Vorbeugung von Attacken, Medikamente zur Linderung der Symptome während eines Anfalls sowie Anpassungen des Lebensstils. Eine vestibuläre Rehabilitationstherapie mit speziellen Übungen kann für manche Betroffene ebenfalls sehr hilfreich sein.
Können Medikamente helfen, diese Schwindelattacken zu verhindern?
Ja, es können bestimmte Medikamente verschrieben werden, um die Häufigkeit der vestibulären Migräneattacken zu senken. Dabei handelt es sich oft um dieselben Wirkstoffe, die auch zur Vorbeugung klassischer Migräne eingesetzt werden, wie bestimmte Antidepressiva, Blutdruckmedikamente oder Antiepileptika. Es erfordert oft etwas Geduld, das für Sie wirksamste Medikament zu finden.
Welche Lebensstiländerungen können helfen, eine vestibuläre Migräne in den Griff zu bekommen?
Bestimmte Änderungen des Lebensstils können einen großen Unterschied machen. Dazu gehören ausreichend Schlaf, regelmäßige Mahlzeiten, effektive Stressbewältigung und das Meiden bekannter Auslöser wie bestimmter Lebensmittel oder Flackerlicht. Auch regelmäßige Bewegung ist förderlich. Es wird dringend empfohlen, ein Tagebuch zur Erfassung von Symptomen und Auslösern zu führen.
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Christian Burgos




