

Angie C über BCI-gesteuerten Sound und ihre Leidenschaft für die Verbindung von Musik mit Neurowissenschaften
Quoc Minh Lai
Aktualisiert am
08.12.2021

Angie C über BCI-gesteuerten Sound und ihre Leidenschaft für die Verbindung von Musik mit Neurowissenschaften
Quoc Minh Lai
Aktualisiert am
08.12.2021

Angie C über BCI-gesteuerten Sound und ihre Leidenschaft für die Verbindung von Musik mit Neurowissenschaften
Quoc Minh Lai
Aktualisiert am
08.12.2021
Nur den Geist zu nutzen, um Musik zu machen. Das mag für viele Leute ein wenig weit hergeholt klingen. Aber genau diesen Weg hat die Musikerin und Popstar Angie C eingeschlagen. Als Liebhaberin von Musik und Wissenschaft hat Angie Coombes (alias Angie C) den perfekten Weg gefunden, zwei ihrer Leidenschaften zu verschmelzen, um etwas wirklich Einzigartiges zu schaffen. Nach dem kürzlichen Erscheinen ihres neuesten Albums „Star Seeds“ sprach Angie C mit Emotiv über alles, was mit Musik zu tun hat, und über die Verwendung von Gehirn-Computer-Schnittstellen (BCI-Geräten), um ein ganz besonderes Musik- und Soundgenre zu kreieren, von dem sie fest glaubt, dass es die Zukunft sein könnte.
Ihre Leidenschaft für Musik – woher kommt sie Ihrer Meinung nach?
Meine Leidenschaft für Musik reicht bis in meine Kindheit zurück. Ich war etwa 3 Jahre alt, als meine Mutter mich zum Musikunterricht anmeldete. Ich erinnere mich, dass ich stundenlang Klavier spielte und es liebte, eigene Songs und Melodien zu schreiben. Meine Eltern waren beide musikalisch – meine Mutter war Sängerin und mein Vater spielte Gitarre.
Könnten Sie uns diesen einen Moment als Kind beschreiten, in dem Ihr Gehirn wie ein Weihnachtsbaum aufleuchtete, nachdem Sie eine Musik gehört hatten, die Sie für perfekt hielten?
Auf jeden Fall der Moment, als ich Beethovens Mondscheinsonate hörte. Ich war damals 8 Jahre alt und flehte meine Klavierlehrerin an, mir beizubringen, wie man sie spielt. Dieses Musikstück hat mein Leben verändert. Jedes Mal, wenn ich es spiele, entführt es mich an einen ganz anderen Ort.
Würden Sie näher auf Ihre beiden Leidenschaften – Musik und Wissenschaft – eingehen und wie sie enger miteinander verbunden sind, als die meisten denken?
Musik und Wissenschaft sind sicherlich enger miteinander verbunden, als die meisten sich vorstellen können. Es hat sich beispielsweise gezeigt, dass das Erlernen von Rhythmus und Timing in der Musik Kindern hilft, schon früh im Leben mathematische Fähigkeiten zu entwickeln. Ein weiterer interessanter Fakt ist, dass Musik unglaublich einzigartig ist, da sie das gesamte Gehirn anspricht – und nicht nur die linke oder die rechte Hemisphäre allein. Traditionell haben wir Wissenschaft und Musik als getrennte, nicht miteinander verbundene Einheiten betrachtet. Aber für mich ist das eine isolierte Sichtweise, und das müssen wir in unserer Gesellschaft ändern. Das Bildungssystem hält Musik und Kunst fast für unwichtig. Meiner Meinung nach sind sie jedoch absolut überlebenswichtig für die Gehirnentwicklung, da sie das gesamte Gehirn synchron arbeiten lassen.

Angie C hat eine tiefe Leidenschaft dafür, Musik mit Wissenschaft zu verbinden.
Sie wollten Ärztin werden, konnten diesen Traum aber aus bestimmten Umständen nicht verwirklichen. Haben Sie jedoch nach der erfolgreichen Verschmelzung von Musik und Wissenschaft einen Weg gefunden, das Beste aus beiden Welten zu genießen?
Ja, absolut! Die Verbindung von Musik und Wissenschaft hat mir viel Freude gebracht. Es treibt mich wirklich dazu an, auf vielen verschiedenen Ebenen unkonventionell zu denken. Um ehrlich zu sein, wenn ich ein neues Projekt beginne, fange ich tatsächlich ZUERST mit der künstlerisch-kreativen Vision an und betrachte es nicht aus einer rein logischen, wissenschaftlichen Perspektive. Ich mache dann Dinge wie eine Zeichnung des Designs anzufertigen oder eine Beschreibung aufzuschreiben, wie die Teile des Projekts meiner Meinung nach zusammenpassen werden. Das Interessante ist, dass jedes Mal, wenn ich das tue, wie von Zauberhand Menschen mit entsprechendem Fachwissen oder Fähigkeiten in meinem Leben auftauchen. Sie interessieren sich für das Thema, und wir tun uns anschließend zusammen, um das Projekt zum Leben zu erwecken. Das ist eigentlich ein ziemlich lustiger Prozess und ermöglicht es uns, scheinbar getrennte Bereiche zu überbrücken, um Kreativität und Innovation zu fördern.
Wie fühlt es sich an, eine der Pionierinnen bei der Nutzung von BCI-Geräten zum Erstellen und Abspielen von Musik zu sein?
Es fühlt sich fantastisch und aufregend an! Ich erinnere mich noch gut an den Tag im Jahr 2014, als ich auf die Emotiv-Website stieß. Ich entdeckte, dass das Unternehmen ein tragbares EEG-Headset entwickelt hatte. Etwa 6 Monate zuvor war ich neugierig geworden auf die Möglichkeit, binaurale Beats zu nutzen, um die Anfallsaktivität bei Epilepsiepatienten zu kontrollieren. Mir wurde klar, dass die einzige Möglichkeit, so etwas zu erforschen, ein Master- oder PhD-Studium wäre. Nur so hätte ich Zugang zu einer EEG-Ausrüstung im Krankenhaus erhalten. Ich hatte kein großes Interesse daran, wieder an die Universität zu gehen. Als ich dann Emotiv fand, war ich begeistert von all den potenziellen Anwendungen dieser neuen Technologie. Obwohl ich noch nicht mit binauralen Beats bei Anfallsaktivitäten experimentiert habe, hat es mir wirklich Spaß gemacht, die Dinge in eine kreativere Richtung zu lenken – indem ich die Emotiv-EEG-Headsets im Bereich Fashion Tech und Musik eingesetzt habe.
Sie waren die erste Person, die ein BCI-Gerät (das EPOC-Headset von Emotiv) in Kombination mit dem ikonischen TONTO-Synthesizer verwendet hat. Wie fühlte es sich an, die Musik aus dem TONTO nur mit Ihren Gedanken steuern zu können?
Es war ein unglaubliches Gefühl! Um ehrlich zu sein, herrschte bis zu unserem offiziellen Testtag mit dem TONTO noch eine gewisse Ungewissheit. Unser Ingenieur Mitchell Claxton hatte in Vancouver mit einem kleinen analogen Synthesizer an der Technologie gearbeitet. Mein Musikproduzent und ich waren in Calgary und stellten die ersten Rohdemos der Songs zusammen. Wir besprachen die Logistik des Aufnahmeprozesses mit den Technikern im Studio Bell, in dem der TONTO untergebracht ist.

Popstar Angie C über BCI und Musik – Das EPOC-Headset von Emotiv und der legendäre TONTO-Synthesizer sind das perfekte Duo.
Als wir uns schließlich alle im Studio Bell zu unserem Testtag trafen, war es das erste Mal, dass wir alle gemeinsam mit dem TONTO in einem Raum waren. Wir hielten während des Aufbaus alle irgendwie den Atem an. Aber als dann die ersten gedankengesteuerten Töne aus dem TONTO erklangen, weiß ich noch, wie Mitchell die Hände in die Luft warf und sagte: „Es funktioniert! Es funktioniert TATSÄCHLICH!“. Das war für uns alle ein ziemlich stolzer Moment.
„TONTO, BCI und Musik – das Gefühl war unglaublich.“
Was das Gefühl betrifft, den TONTO mit meinen Gedanken zu steuern, war es hochinteressant. Ich musste auf die Veränderungen in der Musik hören und gleichzeitig die Gedanken identifizieren, die ich im Kopf hatte. Und dann musste ich üben, mich auf diese Gedanken zu konzentrieren, um eine Veränderung des Klangs hervorzurufen. So konnte ich beispielsweise die Frequenz des Niederfrequenz-Oszillators (LFO) am TONTO steuern, indem ich mir eine violette Flamme vorstellte, die durch meinen Körper herabsteigt. Meine Freundin Jane hingegen konnte Dinge wie Resonanz und Filter-Cutoff steuern, indem sie daran dachte, durch die Galaxie zu fliegen. Die mentalen Impulse waren bei jeder Person, die das Headset ausprobierte, individuell. Ich denke, das könnte für den Endnutzer sehr vorteilhaft sein, da es ihm ermöglicht, gedankengesteuerte Musik auf seine ganz eigene Art und Weise zu erschaffen, basierend auf seinen eigenen Gehirnwellenmustern.
Über Ihre TONTO-Aufnahme, bei der Sie ein BCI-Gerät zur Musikerzeugung verwendet haben, wurde viel berichtet. Wie war die Reaktion in den musikalischen Insiderkreisen?
Bisher war die Resonanz sehr positiv, insbesondere in den Maker- und Synth-Communitys. Auf dem Maker Music Festival in diesem Jahr kam es sehr gut an und wurde von der Maker Faire Shenzhen vorgestellt. Ich gehe davon aus, dass das Interesse mit der Veröffentlichung meines Albums weiter steigen wird. Es ist voll von all den gedankengesteuerten TONTO-Klängen. Ich hoffe, dass es andere Menschen und Künstler auf der ganzen Welt dazu inspiriert, neue Wege zu Kreativität und Innovation zu entdecken. Und natürlich hoffe ich, dass es die Neurowissenschaften und das florierende Feld der Neurotechnologie ins Rampenlicht rückt. Wir leben in hochspannenden Zeiten!
Es gab und wird auch weiterhin einigen Gegenwind geben, wenn es darum geht, Neurotechnologie mit Musik zu verschmelzen. Was sagen Sie den Skeptikern?
Das ist eine hervorragende Frage. Ich denke, weil es sich immer noch um ein so neues Konzept handelt, stößt es durchaus auf einigen Widerstand, insbesondere wenn Menschen sich unwohl fühlen oder sich Sorgen über Dinge wie Gedankenkontrolle machen oder darüber, dass andere Leute „wissen“, was sie denken. Ich erinnere mich, als ich mein gedankengesteuertes LED-Kleid (namens Musethereal) präsentierte, schienen viele Leute von dem Gedanken abgeschreckt zu sein, dass jemand wissen könnte, was sie denken. Aber das ist bei der EEG-Technologie nicht der Fall. Natürlich können wir mit der EEG-Technologie Muster der elektrischen Aktivität des Gehirns sehen, aber wir können sie nicht dazu nutzen, die Gedanken der Menschen zu lesen.
„Neurotech, BCI und Musik haben zusammen viele Anwendungsmöglichkeiten.“
Was die Verschmelzung von Neurotechnologie mit Musik angeht, halte ich das eigentlich für eine wirklich gute Sache, insbesondere für jemanden, der eine körperliche Behinderung hat und kein traditionelles Instrument spielen kann. Dies wird ihnen ganz sicher viele Türen öffnen und auch zu mehr Freude in ihrem Leben führen, wenn sie sich über dieses neue Medium kreativ ausdrücken können.
Ich denke auch, dass dies spannende Auswirkungen auf Musikproduzenten hat. Vor etwa 10 Jahren wachte ich nach dem Besuch eines Raves mit dem fantastischsten Trance-Track im Kopf auf, hatte aber keine Möglichkeit, ihn in die physische Realität umzusetzen, ohne viel Zeit und Energie in die Produktion zu stecken. Später an diesem Tag unterhielt ich mich mit ein paar befreundeten DJ-Produzenten und sagte: „Ich kann den Tag kaum erwarten, an dem wir Musik buchstäblich herbeisehnen und durch Gedanken erschaffen können.“ Damals meinte ich das nur halb im Scherz, aber jetzt, da ich gedankengesteuerte Musik mache, glaube ich tatsächlich, dass das „Erschaffen von Musik durch bloßes Denken“ eine hohe Wahrscheinlichkeit hat, in Zukunft zu einer etablierten Praxis zu werden.
Wo sehen Sie die Zukunft im Zusammenspiel von Musik und Neurotechnologie?
In der Zukunft stelle ich mir vor, dass Menschen mit einem Gehirnwellen-Headset bzw. BCI-Geräten an ihren Computern sitzen und diese als Werkzeug zum Musikmachen nutzen. Ich denke, da sich die Bereiche der Neurotechnologie und der künstlichen Intelligen (KI) ständig weiterentwickeln, werden sie weiter verschmelzen, um prädiktive Algorithmen für Musikklänge zu erstellen.

Angie C glaubt, dass die Zukunft der Musik in BCI und Neurotechnologie liegt.
Wenn wir zum Beispiel auf das Gebiet der Radiologie schauen, wissen wir, dass KI Brustkrebs präziser und schneller erkennen kann als das menschliche Auge. Wenn wir diese Fähigkeit auf Musik und Neurotechnologie übertragen, ist es logisch, dass Menschen eines Tages an eine Snare-Drum denken können und die KI dieses bestimmte Gehirnwellenmuster erkennt, „Hey, das ist eine Snare-Drum“ registriert und dann der digitalen Audio-Workstation (DAW) wie Logic Pro, ProTools usw. den Befehl gibt, ein MIDI-Muster für eine Snare-Drum zu schreiben. Das mag weit hergeholt klingen, aber ich glaube fest daran, dass dies in den nächsten 5–10 Jahren möglich sein wird.
Neurotech und der Einsatz von BCI-Geräten in der Musik könnten in vielerlei Hinsicht von Vorteil sein, insbesondere für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Was denken Sie darüber, dass BCI-Geräte oder diese Technologie einen Paradigmenwechsel in der Art und Weise bewirken, wie Menschen mit besonderen Bedürfnissen Musik machen und hören?
Ich denke, Neurotech und der Einsatz von BCI-Geräten werden Menschen mit besonderen Bedürfnissen so manche Tür öffnen. Tatsächlich hat es das bereits getan. Dr. Adam Kirton, Kinderneurologe in Calgary, Alberta, Kanada, hat eine Initiative namens BCI4Kids ins Leben gerufen. Sie bemühen sich, Kindern mit besonderen Bedürfnissen den Zugang zu Gehirn-Computer-Schnittstellen zu ermöglichen, und erforschen, wie diese neuen Technologien genutzt werden können, um die Lebensqualität dieser Kinder und ihrer Familien zu verbessern. Ein kleiner Junge namens John nutzt BCI, um Gemälde ausschließlich mit seinen Gedanken zu malen – das ist einfach unglaublich! Sein Instagram-Name ist @brainpaintbyjohn, falls Sie sich einige seiner Kunstwerke ansehen möchten.
Ich habe bereits erste Gespräche mit Dr. Kirton und seiner Gruppe über gedankengesteuerte Musik geführt. Ich bin sehr gespannt, was wir zusammen mit BCI4Kids auf die Beine stellen können.
Welche Vorteile bietet die Verwendung eines BCI-Geräts zum Erstellen von Musik? Wie unterscheidet es sich von den traditionelleren Methoden?
Ich denke, der eigentliche Vorteil beim Erschaffen von Musik mit einem BCI-Gerät besteht darin, dass man kein physisches Instrument mehr spielen muss. Das Gehirn ist etwas absolut Glorreiches, und es gibt so viele Orte, an die wir in unseren Gedanken reisen können. Ich habe wirklich das Gefühl, dass die BCI-Technologie der Schlüssel zur Erschließung neuer Dimensionen in der Musik sein wird. Sowohl mein Produzent Trey Mills als auch ich sind uns einig, dass wir durch die Verwendung eines BCI-Headsets einige der bisher magischsten Momente in der Musik erlebt haben.
Glauben Sie, dass diese Methode die Musiklandschaft komplett erobern wird?
Ich denke, dass es irgendwann völlig normal sein wird, ein BCI-Gerät zum Musikmachen zu verwenden. Die Technologie entwickelt sich ständig weiter und verbessert frühere Versionen. Wenn man bedenkt, dass es erst 40 bis 50 Jahre her ist, seit die ersten Personal Computer auf dem Markt erhältlich waren. Und jetzt haben wir Smartphones, die wir buchstäblich in der Gesäßtasche tragen können – das ist unglaublich. Ich denke, sobald die BCI-Technologie im Mainstream bekannter wird. Durch die fortschreitende Integration von Neurotechnologie, Softwareentwicklung und KI habe ich keinen Zweifel daran, dass diese Methode der Musikschöpfung eine feste Größe in der Musiklandschaft sein wird.
Sie haben für viel Furore gesorgt (Wortspiel beabsichtigt), als Ihr gedankengesteuertes LED-Kleid 2016 auf der MakeFashion Wearable Technology Gala gezeigt wurde. Wie weit hat sich die Neurotechnologie Ihrer Meinung nach in den fünf Jahren seither entwickelt? Und was sind Ihrer Ansicht nach die Zukunftsmöglichkeiten für diesen so wichtigen Wissenschaftszweig? Sowohl im Hinblick auf die Musik als auch im weiteren Sinne?
Haha, tolles Wortspiel 🙂 Ich muss sagen, ich bin sehr beeindruckt davon, wie weit sich die Neurotechnologie in den letzten 5 Jahren entwickelt hat. Ich habe ursprünglich 2016 mit der Arbeit mit dem Emotiv EPOC+-Gehirnwellen-Headset begonnen. Zu dieser Zeit waren einige Softwareplattform-Integrationen von Emotiv noch ausgereifter als andere. Einer der Designaspekte, die wir für das gedankengesteuerte LED-Kleid berücksichtigen mussten, war der Bedarf an einem Computer-Prozessorsystem, das tragbar war.
Die Desktop-Anwendung von Emotiv (software program) war recht umfassend, aber das Tragen eines Laptops in einem Rucksack auf dem Laufsteg war natürlich nicht gerade modisch. Stattdessen entwickelte unser Ingenieur eine App für ein Android-Handy, die die Daten des EPOC+-Headsets verarbeiten und an einen Mikrocontroller senden konnte, der mit den LED-Leuchten des Kleides verbunden war. Sowohl der Mikrocontroller als auch das Android-Handy ließen sich leicht in einer Tasche auf der Rückseite des Kleidungsstücks verstecken.

Das gedankengesteuerte LED-Kleid (mit einem BCI-Gerät) wurde 2016 auf der MakeFashion Wearable Technology Gala präsentiert.
„Der Epoc X von Emotiv sieht wirklich gut aus.“
Schnitt zu heute – die Produkt- und Softwaresuite von Emotiv hat das Unternehmen zum Marktführer im Bereich der Neurotechnologie gemacht. Ich habe mir vor kurzem das neue Epoc X-Headset bestellt und kann es kaum erwarten, damit herumzuexperimentieren!
Was die zukünftigen Möglichkeiten für diesen entscheidenden Wissenschaftszweig betrifft, so glaube ich, dass wir erst an der Oberfläche dessen gekratzt haben, was in Zukunft möglich sein wird. Als ich 2002 an der Dalhousie University anfing, Vorlesungen in Neurowissenschaften zu besuchen, war ich erstaunt, wie jung und relativ unerschlossen das Feld der Neurowissenschaften eigentlich war. Das war für mich wirklich ein Schock, da wir in anderen Bereichen der Wissenschaft und Medizin so große Fortschritte gemacht hatten. Warum hatten wir nicht die gleiche Energie und Neugier in die Erforschung des menschlichen Gehirns gesteckt?
„Die Erforschung des Geistes durch Neurotech.“
Man sollte meinen, dies sei ein zentrales Interessengebiet, denn das Gehirn ist das, was uns – nun ja … menschlich macht. Aber aus irgendeinem Grund, vielleicht aufgrund der vermeintlichen Komplexität, fangen wir gerade erst an zu verstehen, wie das Gehirn und unser Verstand funktionieren. BCI-Geräte haben uns dabei natürlich sehr geholfen. Ich denke, wenn wir den Geist mithilfe neurotechnologischer Geräte erforschen, werden wir uns selbst und die Funktionsweise von uns Menschen am Ende des Tages viel besser verstehen. Ich glaube, es wird enorm viel bewirken, wenn wir lernen, unser Gehirn zu „hacken“, um ein höheres Maß an Erkenntnis und Erfolg zu erzielen.
Könnten Sie einem Zuhörer erklären, welche Aspekte in Ihren Songs mithilfe von BCI-Geräten eingeflossen sind? Und wie erschaffen Sie solche Musik?
Jeder Song auf meinem Album enthält ein besonderes Feature des gedankengesteuerten TONTO. Da wir nur zwei Tage Zeit für die Aufnahmen hatten, mussten wir wirklich mit einem soliden Plan an die Sache herangehen, worauf wir uns bei jedem Song konzentrieren wollten. So enthält beispielsweise der erste Song des Albums, Magnum Cherry, im hinteren Teil eine gedankengesteuerte TONTO-Lead-Synth-Melodie, während „Worlds Away“ im Mittelteil ein „Gehirnwellen-Solo“ bietet, das buchstäblich wie ein startendes Raumschiff klingt. Bei einigen anderen Songs des Albums haben wir auch mit gedankengesteuertem Klavier und binauralen Beats experimentiert.
Der Prozess, Musik mit einem BCI-Gerät zu machen, setzt sich immer mehr durch.
„Ich habe mir eine violette Flamme vorgestellt.“
Was den Prozess betrifft, so haben wir die Emotional-State-Algorithmen von Emotiv genutzt, um den vom TONTO kommenden Sound zu steuern. Unser Ingenieur hat eine Software eines Drittanbieters entwickelt, mit der wir sehen konnten, welche emotionalen Parameter (z. B. Stress, Engagement, Aufregung) bei der Person, die das Headset trug, am aktivsten und variabelsten waren. Diese Parameter nutzte er dann, um über eine von ihm hergestellte Spezialbox, die sogenannte „Brain Box“, ein Steuerspannungssignal an den TONTO zu senden.
Es lag an der Person, die das Headset trug, herauszufinden, welche Gedanken den vom TONTO kommenden Sound verlässlich veränderten. Bei mir waren es Dinge wie die im Geiste stumm gestellte Frage „Warum“ oder die Vorstellung einer violetten Flamme, die durch meinen Körper herabsteigt. Dadurch konnte ich Parameter wie Tonhöhe, LFO-Frequenz und Filter-Cutoff zuverlässig steuern. Das war eine äußerst interessante und aufschlussreiche Erfahrung.
Was denken Sie über Unternehmen wie Emotiv und deren Arbeit, Neurotechnologie und Neuroforschung in eine viel breitere Landschaft und Demografie zu bringen?
Ich denke, Unternehmen wie Emotiv leisten Großartiges, um die Hirn- und Neuroforschung voranzubringen. Abgesehen von den Anwendungen der Neurotechnologie im musikalischen und kreativen Bereich bin ich ebenso begeistert von den Fortschritten, die in Bezug auf die neurologische Crowd-Sourcing-Forschung erzielt werden. Während meiner Studienzeit habe ich festgestellt, dass traditionelle Forschung sehr langsam voranschreitet und die Teilnehmerpools durch Standort und Zugänglichkeit begrenzt sind. Die wissenschaftlich anspruchsvollen Headsets, die Emotiv entwickelt hat, bauen tatsächlich viele der Barrieren ab, die mit der traditionellen EEG-Forschung verbunden sind. Anstatt dass die Teilnehmer beispielsweise zu einem örtlichen Krankenhaus fahren müssen, können sie jetzt einfach ihr Gehirnwellen-Headset aufsetzen und sich mit dem Internet verbinden, um an einer Hirnforschungsstudie teilzunehmen. Das ist meiner Meinung nach eine bemerkenswerte Realität.
Sie haben die bahnbrechenden Headsets von Emotiv verwendet und damit wahrhaft unvergessliche Musik geschaffen. Ein Wort zu dieser Technologie und was sie für Künstler wie Sie bedeutet?
Die BCI-Headsets von Emotiv öffnen die Tür zu einer völlig neuen Art des kreativen Schaffens. Es gibt so viel, was wir als Künstler erforschen können, und ich ermutige andere Künstler ausdrücklich, mit dieser neuen Art des Musik- und Kunstmachens zu experimentieren. Habt Spaß dabei!

Angie Cs neues offizielles Musikvideo – Worlds Away.
„Star Seeds“, Ihr mit Spannung erwartetes Album, ist am Freitag, den 26. November, erschienen? Was darf man erwarten?
Ich freue mich riesig, dass mein Album am 26. November „gelandet“ ist. Das Album soll den Hörer auf eine Reise mitnehmen, die von düster und melancholisch bis hin zur Emanzipation und Freiheit des Geistes reicht. Ich verwende in meinen Songtexten gerne Doppeldeutigkeiten. Es stecken also viele versteckte Botschaften und Bedeutungen in den Worten selbst. Ich bin ein großer Fan von Autoren und Philosophen wie Rumi, von denen man nur wenige Worte lesen muss, um so viel Weisheit daraus zu gewinnen, wenn man seinen Gedanken freien Lauf lässt, reflektiert und nachdenkt. Das habe ich versucht, mit diesem Album einzufangen.
Klanglich würde ich dieses Album als Electro-Pop einordnen, aber wir haben auch einige spielerische Elemente wie gedankengesteuertes Klavier eingebaut. Im selben Raum wie der TONTO stand ein akustischer Flügel von John Broadwood aus dem Jahr 1900, also beschlossen wir, das Klavier aufzunehmen. Anschließend haben wir den Ton durch die Filter des TONTO geleitet und den Klang mit unseren Gehirnwellen verändert. Das war extrem experimentell, hat aber zu einer wirklich coolen Aufnahme und einer großartigen Geschichte geführt.
Sind Sie Ihrem gewohnten Musikgenre und -stil treu geblieben? Oder gibt es bei „Star Seeds“ mehr Experimente und Überraschungen?
Wissen Sie, ich habe das Gefühl, dass ich mit der Erschaffung meines „Star Seeds“-Albums endlich meinen künstlerischen Sound „gefunden“ habe. Einige Jahre lang hatte ich entweder Musik im Singer-Songwriter-Stil geschrieben und aufgenommen oder den Gesang für elektronische Tanzmusik beigesteuert. Ich denke, das Erschaffen dieses Albums hat es mir ermöglicht, diese beiden Musikstile miteinander zu verschmelzen, um etwas dazwischen zu finden, das sich klanglich richtig gut anfühlt, und dafür muss ich meinem Produzenten Trey Mills danken. Er ist großartig darin, Künstlern dabei zu helfen, ihren Sound zu finden. Das basiert nicht nur auf ihrem Musikstil, sondern auch darauf, wer sie als Person sind.
Nur den Geist zu nutzen, um Musik zu machen. Das mag für viele Leute ein wenig weit hergeholt klingen. Aber genau diesen Weg hat die Musikerin und Popstar Angie C eingeschlagen. Als Liebhaberin von Musik und Wissenschaft hat Angie Coombes (alias Angie C) den perfekten Weg gefunden, zwei ihrer Leidenschaften zu verschmelzen, um etwas wirklich Einzigartiges zu schaffen. Nach dem kürzlichen Erscheinen ihres neuesten Albums „Star Seeds“ sprach Angie C mit Emotiv über alles, was mit Musik zu tun hat, und über die Verwendung von Gehirn-Computer-Schnittstellen (BCI-Geräten), um ein ganz besonderes Musik- und Soundgenre zu kreieren, von dem sie fest glaubt, dass es die Zukunft sein könnte.
Ihre Leidenschaft für Musik – woher kommt sie Ihrer Meinung nach?
Meine Leidenschaft für Musik reicht bis in meine Kindheit zurück. Ich war etwa 3 Jahre alt, als meine Mutter mich zum Musikunterricht anmeldete. Ich erinnere mich, dass ich stundenlang Klavier spielte und es liebte, eigene Songs und Melodien zu schreiben. Meine Eltern waren beide musikalisch – meine Mutter war Sängerin und mein Vater spielte Gitarre.
Könnten Sie uns diesen einen Moment als Kind beschreiten, in dem Ihr Gehirn wie ein Weihnachtsbaum aufleuchtete, nachdem Sie eine Musik gehört hatten, die Sie für perfekt hielten?
Auf jeden Fall der Moment, als ich Beethovens Mondscheinsonate hörte. Ich war damals 8 Jahre alt und flehte meine Klavierlehrerin an, mir beizubringen, wie man sie spielt. Dieses Musikstück hat mein Leben verändert. Jedes Mal, wenn ich es spiele, entführt es mich an einen ganz anderen Ort.
Würden Sie näher auf Ihre beiden Leidenschaften – Musik und Wissenschaft – eingehen und wie sie enger miteinander verbunden sind, als die meisten denken?
Musik und Wissenschaft sind sicherlich enger miteinander verbunden, als die meisten sich vorstellen können. Es hat sich beispielsweise gezeigt, dass das Erlernen von Rhythmus und Timing in der Musik Kindern hilft, schon früh im Leben mathematische Fähigkeiten zu entwickeln. Ein weiterer interessanter Fakt ist, dass Musik unglaublich einzigartig ist, da sie das gesamte Gehirn anspricht – und nicht nur die linke oder die rechte Hemisphäre allein. Traditionell haben wir Wissenschaft und Musik als getrennte, nicht miteinander verbundene Einheiten betrachtet. Aber für mich ist das eine isolierte Sichtweise, und das müssen wir in unserer Gesellschaft ändern. Das Bildungssystem hält Musik und Kunst fast für unwichtig. Meiner Meinung nach sind sie jedoch absolut überlebenswichtig für die Gehirnentwicklung, da sie das gesamte Gehirn synchron arbeiten lassen.

Angie C hat eine tiefe Leidenschaft dafür, Musik mit Wissenschaft zu verbinden.
Sie wollten Ärztin werden, konnten diesen Traum aber aus bestimmten Umständen nicht verwirklichen. Haben Sie jedoch nach der erfolgreichen Verschmelzung von Musik und Wissenschaft einen Weg gefunden, das Beste aus beiden Welten zu genießen?
Ja, absolut! Die Verbindung von Musik und Wissenschaft hat mir viel Freude gebracht. Es treibt mich wirklich dazu an, auf vielen verschiedenen Ebenen unkonventionell zu denken. Um ehrlich zu sein, wenn ich ein neues Projekt beginne, fange ich tatsächlich ZUERST mit der künstlerisch-kreativen Vision an und betrachte es nicht aus einer rein logischen, wissenschaftlichen Perspektive. Ich mache dann Dinge wie eine Zeichnung des Designs anzufertigen oder eine Beschreibung aufzuschreiben, wie die Teile des Projekts meiner Meinung nach zusammenpassen werden. Das Interessante ist, dass jedes Mal, wenn ich das tue, wie von Zauberhand Menschen mit entsprechendem Fachwissen oder Fähigkeiten in meinem Leben auftauchen. Sie interessieren sich für das Thema, und wir tun uns anschließend zusammen, um das Projekt zum Leben zu erwecken. Das ist eigentlich ein ziemlich lustiger Prozess und ermöglicht es uns, scheinbar getrennte Bereiche zu überbrücken, um Kreativität und Innovation zu fördern.
Wie fühlt es sich an, eine der Pionierinnen bei der Nutzung von BCI-Geräten zum Erstellen und Abspielen von Musik zu sein?
Es fühlt sich fantastisch und aufregend an! Ich erinnere mich noch gut an den Tag im Jahr 2014, als ich auf die Emotiv-Website stieß. Ich entdeckte, dass das Unternehmen ein tragbares EEG-Headset entwickelt hatte. Etwa 6 Monate zuvor war ich neugierig geworden auf die Möglichkeit, binaurale Beats zu nutzen, um die Anfallsaktivität bei Epilepsiepatienten zu kontrollieren. Mir wurde klar, dass die einzige Möglichkeit, so etwas zu erforschen, ein Master- oder PhD-Studium wäre. Nur so hätte ich Zugang zu einer EEG-Ausrüstung im Krankenhaus erhalten. Ich hatte kein großes Interesse daran, wieder an die Universität zu gehen. Als ich dann Emotiv fand, war ich begeistert von all den potenziellen Anwendungen dieser neuen Technologie. Obwohl ich noch nicht mit binauralen Beats bei Anfallsaktivitäten experimentiert habe, hat es mir wirklich Spaß gemacht, die Dinge in eine kreativere Richtung zu lenken – indem ich die Emotiv-EEG-Headsets im Bereich Fashion Tech und Musik eingesetzt habe.
Sie waren die erste Person, die ein BCI-Gerät (das EPOC-Headset von Emotiv) in Kombination mit dem ikonischen TONTO-Synthesizer verwendet hat. Wie fühlte es sich an, die Musik aus dem TONTO nur mit Ihren Gedanken steuern zu können?
Es war ein unglaubliches Gefühl! Um ehrlich zu sein, herrschte bis zu unserem offiziellen Testtag mit dem TONTO noch eine gewisse Ungewissheit. Unser Ingenieur Mitchell Claxton hatte in Vancouver mit einem kleinen analogen Synthesizer an der Technologie gearbeitet. Mein Musikproduzent und ich waren in Calgary und stellten die ersten Rohdemos der Songs zusammen. Wir besprachen die Logistik des Aufnahmeprozesses mit den Technikern im Studio Bell, in dem der TONTO untergebracht ist.

Popstar Angie C über BCI und Musik – Das EPOC-Headset von Emotiv und der legendäre TONTO-Synthesizer sind das perfekte Duo.
Als wir uns schließlich alle im Studio Bell zu unserem Testtag trafen, war es das erste Mal, dass wir alle gemeinsam mit dem TONTO in einem Raum waren. Wir hielten während des Aufbaus alle irgendwie den Atem an. Aber als dann die ersten gedankengesteuerten Töne aus dem TONTO erklangen, weiß ich noch, wie Mitchell die Hände in die Luft warf und sagte: „Es funktioniert! Es funktioniert TATSÄCHLICH!“. Das war für uns alle ein ziemlich stolzer Moment.
„TONTO, BCI und Musik – das Gefühl war unglaublich.“
Was das Gefühl betrifft, den TONTO mit meinen Gedanken zu steuern, war es hochinteressant. Ich musste auf die Veränderungen in der Musik hören und gleichzeitig die Gedanken identifizieren, die ich im Kopf hatte. Und dann musste ich üben, mich auf diese Gedanken zu konzentrieren, um eine Veränderung des Klangs hervorzurufen. So konnte ich beispielsweise die Frequenz des Niederfrequenz-Oszillators (LFO) am TONTO steuern, indem ich mir eine violette Flamme vorstellte, die durch meinen Körper herabsteigt. Meine Freundin Jane hingegen konnte Dinge wie Resonanz und Filter-Cutoff steuern, indem sie daran dachte, durch die Galaxie zu fliegen. Die mentalen Impulse waren bei jeder Person, die das Headset ausprobierte, individuell. Ich denke, das könnte für den Endnutzer sehr vorteilhaft sein, da es ihm ermöglicht, gedankengesteuerte Musik auf seine ganz eigene Art und Weise zu erschaffen, basierend auf seinen eigenen Gehirnwellenmustern.
Über Ihre TONTO-Aufnahme, bei der Sie ein BCI-Gerät zur Musikerzeugung verwendet haben, wurde viel berichtet. Wie war die Reaktion in den musikalischen Insiderkreisen?
Bisher war die Resonanz sehr positiv, insbesondere in den Maker- und Synth-Communitys. Auf dem Maker Music Festival in diesem Jahr kam es sehr gut an und wurde von der Maker Faire Shenzhen vorgestellt. Ich gehe davon aus, dass das Interesse mit der Veröffentlichung meines Albums weiter steigen wird. Es ist voll von all den gedankengesteuerten TONTO-Klängen. Ich hoffe, dass es andere Menschen und Künstler auf der ganzen Welt dazu inspiriert, neue Wege zu Kreativität und Innovation zu entdecken. Und natürlich hoffe ich, dass es die Neurowissenschaften und das florierende Feld der Neurotechnologie ins Rampenlicht rückt. Wir leben in hochspannenden Zeiten!
Es gab und wird auch weiterhin einigen Gegenwind geben, wenn es darum geht, Neurotechnologie mit Musik zu verschmelzen. Was sagen Sie den Skeptikern?
Das ist eine hervorragende Frage. Ich denke, weil es sich immer noch um ein so neues Konzept handelt, stößt es durchaus auf einigen Widerstand, insbesondere wenn Menschen sich unwohl fühlen oder sich Sorgen über Dinge wie Gedankenkontrolle machen oder darüber, dass andere Leute „wissen“, was sie denken. Ich erinnere mich, als ich mein gedankengesteuertes LED-Kleid (namens Musethereal) präsentierte, schienen viele Leute von dem Gedanken abgeschreckt zu sein, dass jemand wissen könnte, was sie denken. Aber das ist bei der EEG-Technologie nicht der Fall. Natürlich können wir mit der EEG-Technologie Muster der elektrischen Aktivität des Gehirns sehen, aber wir können sie nicht dazu nutzen, die Gedanken der Menschen zu lesen.
„Neurotech, BCI und Musik haben zusammen viele Anwendungsmöglichkeiten.“
Was die Verschmelzung von Neurotechnologie mit Musik angeht, halte ich das eigentlich für eine wirklich gute Sache, insbesondere für jemanden, der eine körperliche Behinderung hat und kein traditionelles Instrument spielen kann. Dies wird ihnen ganz sicher viele Türen öffnen und auch zu mehr Freude in ihrem Leben führen, wenn sie sich über dieses neue Medium kreativ ausdrücken können.
Ich denke auch, dass dies spannende Auswirkungen auf Musikproduzenten hat. Vor etwa 10 Jahren wachte ich nach dem Besuch eines Raves mit dem fantastischsten Trance-Track im Kopf auf, hatte aber keine Möglichkeit, ihn in die physische Realität umzusetzen, ohne viel Zeit und Energie in die Produktion zu stecken. Später an diesem Tag unterhielt ich mich mit ein paar befreundeten DJ-Produzenten und sagte: „Ich kann den Tag kaum erwarten, an dem wir Musik buchstäblich herbeisehnen und durch Gedanken erschaffen können.“ Damals meinte ich das nur halb im Scherz, aber jetzt, da ich gedankengesteuerte Musik mache, glaube ich tatsächlich, dass das „Erschaffen von Musik durch bloßes Denken“ eine hohe Wahrscheinlichkeit hat, in Zukunft zu einer etablierten Praxis zu werden.
Wo sehen Sie die Zukunft im Zusammenspiel von Musik und Neurotechnologie?
In der Zukunft stelle ich mir vor, dass Menschen mit einem Gehirnwellen-Headset bzw. BCI-Geräten an ihren Computern sitzen und diese als Werkzeug zum Musikmachen nutzen. Ich denke, da sich die Bereiche der Neurotechnologie und der künstlichen Intelligen (KI) ständig weiterentwickeln, werden sie weiter verschmelzen, um prädiktive Algorithmen für Musikklänge zu erstellen.

Angie C glaubt, dass die Zukunft der Musik in BCI und Neurotechnologie liegt.
Wenn wir zum Beispiel auf das Gebiet der Radiologie schauen, wissen wir, dass KI Brustkrebs präziser und schneller erkennen kann als das menschliche Auge. Wenn wir diese Fähigkeit auf Musik und Neurotechnologie übertragen, ist es logisch, dass Menschen eines Tages an eine Snare-Drum denken können und die KI dieses bestimmte Gehirnwellenmuster erkennt, „Hey, das ist eine Snare-Drum“ registriert und dann der digitalen Audio-Workstation (DAW) wie Logic Pro, ProTools usw. den Befehl gibt, ein MIDI-Muster für eine Snare-Drum zu schreiben. Das mag weit hergeholt klingen, aber ich glaube fest daran, dass dies in den nächsten 5–10 Jahren möglich sein wird.
Neurotech und der Einsatz von BCI-Geräten in der Musik könnten in vielerlei Hinsicht von Vorteil sein, insbesondere für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Was denken Sie darüber, dass BCI-Geräte oder diese Technologie einen Paradigmenwechsel in der Art und Weise bewirken, wie Menschen mit besonderen Bedürfnissen Musik machen und hören?
Ich denke, Neurotech und der Einsatz von BCI-Geräten werden Menschen mit besonderen Bedürfnissen so manche Tür öffnen. Tatsächlich hat es das bereits getan. Dr. Adam Kirton, Kinderneurologe in Calgary, Alberta, Kanada, hat eine Initiative namens BCI4Kids ins Leben gerufen. Sie bemühen sich, Kindern mit besonderen Bedürfnissen den Zugang zu Gehirn-Computer-Schnittstellen zu ermöglichen, und erforschen, wie diese neuen Technologien genutzt werden können, um die Lebensqualität dieser Kinder und ihrer Familien zu verbessern. Ein kleiner Junge namens John nutzt BCI, um Gemälde ausschließlich mit seinen Gedanken zu malen – das ist einfach unglaublich! Sein Instagram-Name ist @brainpaintbyjohn, falls Sie sich einige seiner Kunstwerke ansehen möchten.
Ich habe bereits erste Gespräche mit Dr. Kirton und seiner Gruppe über gedankengesteuerte Musik geführt. Ich bin sehr gespannt, was wir zusammen mit BCI4Kids auf die Beine stellen können.
Welche Vorteile bietet die Verwendung eines BCI-Geräts zum Erstellen von Musik? Wie unterscheidet es sich von den traditionelleren Methoden?
Ich denke, der eigentliche Vorteil beim Erschaffen von Musik mit einem BCI-Gerät besteht darin, dass man kein physisches Instrument mehr spielen muss. Das Gehirn ist etwas absolut Glorreiches, und es gibt so viele Orte, an die wir in unseren Gedanken reisen können. Ich habe wirklich das Gefühl, dass die BCI-Technologie der Schlüssel zur Erschließung neuer Dimensionen in der Musik sein wird. Sowohl mein Produzent Trey Mills als auch ich sind uns einig, dass wir durch die Verwendung eines BCI-Headsets einige der bisher magischsten Momente in der Musik erlebt haben.
Glauben Sie, dass diese Methode die Musiklandschaft komplett erobern wird?
Ich denke, dass es irgendwann völlig normal sein wird, ein BCI-Gerät zum Musikmachen zu verwenden. Die Technologie entwickelt sich ständig weiter und verbessert frühere Versionen. Wenn man bedenkt, dass es erst 40 bis 50 Jahre her ist, seit die ersten Personal Computer auf dem Markt erhältlich waren. Und jetzt haben wir Smartphones, die wir buchstäblich in der Gesäßtasche tragen können – das ist unglaublich. Ich denke, sobald die BCI-Technologie im Mainstream bekannter wird. Durch die fortschreitende Integration von Neurotechnologie, Softwareentwicklung und KI habe ich keinen Zweifel daran, dass diese Methode der Musikschöpfung eine feste Größe in der Musiklandschaft sein wird.
Sie haben für viel Furore gesorgt (Wortspiel beabsichtigt), als Ihr gedankengesteuertes LED-Kleid 2016 auf der MakeFashion Wearable Technology Gala gezeigt wurde. Wie weit hat sich die Neurotechnologie Ihrer Meinung nach in den fünf Jahren seither entwickelt? Und was sind Ihrer Ansicht nach die Zukunftsmöglichkeiten für diesen so wichtigen Wissenschaftszweig? Sowohl im Hinblick auf die Musik als auch im weiteren Sinne?
Haha, tolles Wortspiel 🙂 Ich muss sagen, ich bin sehr beeindruckt davon, wie weit sich die Neurotechnologie in den letzten 5 Jahren entwickelt hat. Ich habe ursprünglich 2016 mit der Arbeit mit dem Emotiv EPOC+-Gehirnwellen-Headset begonnen. Zu dieser Zeit waren einige Softwareplattform-Integrationen von Emotiv noch ausgereifter als andere. Einer der Designaspekte, die wir für das gedankengesteuerte LED-Kleid berücksichtigen mussten, war der Bedarf an einem Computer-Prozessorsystem, das tragbar war.
Die Desktop-Anwendung von Emotiv (software program) war recht umfassend, aber das Tragen eines Laptops in einem Rucksack auf dem Laufsteg war natürlich nicht gerade modisch. Stattdessen entwickelte unser Ingenieur eine App für ein Android-Handy, die die Daten des EPOC+-Headsets verarbeiten und an einen Mikrocontroller senden konnte, der mit den LED-Leuchten des Kleides verbunden war. Sowohl der Mikrocontroller als auch das Android-Handy ließen sich leicht in einer Tasche auf der Rückseite des Kleidungsstücks verstecken.

Das gedankengesteuerte LED-Kleid (mit einem BCI-Gerät) wurde 2016 auf der MakeFashion Wearable Technology Gala präsentiert.
„Der Epoc X von Emotiv sieht wirklich gut aus.“
Schnitt zu heute – die Produkt- und Softwaresuite von Emotiv hat das Unternehmen zum Marktführer im Bereich der Neurotechnologie gemacht. Ich habe mir vor kurzem das neue Epoc X-Headset bestellt und kann es kaum erwarten, damit herumzuexperimentieren!
Was die zukünftigen Möglichkeiten für diesen entscheidenden Wissenschaftszweig betrifft, so glaube ich, dass wir erst an der Oberfläche dessen gekratzt haben, was in Zukunft möglich sein wird. Als ich 2002 an der Dalhousie University anfing, Vorlesungen in Neurowissenschaften zu besuchen, war ich erstaunt, wie jung und relativ unerschlossen das Feld der Neurowissenschaften eigentlich war. Das war für mich wirklich ein Schock, da wir in anderen Bereichen der Wissenschaft und Medizin so große Fortschritte gemacht hatten. Warum hatten wir nicht die gleiche Energie und Neugier in die Erforschung des menschlichen Gehirns gesteckt?
„Die Erforschung des Geistes durch Neurotech.“
Man sollte meinen, dies sei ein zentrales Interessengebiet, denn das Gehirn ist das, was uns – nun ja … menschlich macht. Aber aus irgendeinem Grund, vielleicht aufgrund der vermeintlichen Komplexität, fangen wir gerade erst an zu verstehen, wie das Gehirn und unser Verstand funktionieren. BCI-Geräte haben uns dabei natürlich sehr geholfen. Ich denke, wenn wir den Geist mithilfe neurotechnologischer Geräte erforschen, werden wir uns selbst und die Funktionsweise von uns Menschen am Ende des Tages viel besser verstehen. Ich glaube, es wird enorm viel bewirken, wenn wir lernen, unser Gehirn zu „hacken“, um ein höheres Maß an Erkenntnis und Erfolg zu erzielen.
Könnten Sie einem Zuhörer erklären, welche Aspekte in Ihren Songs mithilfe von BCI-Geräten eingeflossen sind? Und wie erschaffen Sie solche Musik?
Jeder Song auf meinem Album enthält ein besonderes Feature des gedankengesteuerten TONTO. Da wir nur zwei Tage Zeit für die Aufnahmen hatten, mussten wir wirklich mit einem soliden Plan an die Sache herangehen, worauf wir uns bei jedem Song konzentrieren wollten. So enthält beispielsweise der erste Song des Albums, Magnum Cherry, im hinteren Teil eine gedankengesteuerte TONTO-Lead-Synth-Melodie, während „Worlds Away“ im Mittelteil ein „Gehirnwellen-Solo“ bietet, das buchstäblich wie ein startendes Raumschiff klingt. Bei einigen anderen Songs des Albums haben wir auch mit gedankengesteuertem Klavier und binauralen Beats experimentiert.
Der Prozess, Musik mit einem BCI-Gerät zu machen, setzt sich immer mehr durch.
„Ich habe mir eine violette Flamme vorgestellt.“
Was den Prozess betrifft, so haben wir die Emotional-State-Algorithmen von Emotiv genutzt, um den vom TONTO kommenden Sound zu steuern. Unser Ingenieur hat eine Software eines Drittanbieters entwickelt, mit der wir sehen konnten, welche emotionalen Parameter (z. B. Stress, Engagement, Aufregung) bei der Person, die das Headset trug, am aktivsten und variabelsten waren. Diese Parameter nutzte er dann, um über eine von ihm hergestellte Spezialbox, die sogenannte „Brain Box“, ein Steuerspannungssignal an den TONTO zu senden.
Es lag an der Person, die das Headset trug, herauszufinden, welche Gedanken den vom TONTO kommenden Sound verlässlich veränderten. Bei mir waren es Dinge wie die im Geiste stumm gestellte Frage „Warum“ oder die Vorstellung einer violetten Flamme, die durch meinen Körper herabsteigt. Dadurch konnte ich Parameter wie Tonhöhe, LFO-Frequenz und Filter-Cutoff zuverlässig steuern. Das war eine äußerst interessante und aufschlussreiche Erfahrung.
Was denken Sie über Unternehmen wie Emotiv und deren Arbeit, Neurotechnologie und Neuroforschung in eine viel breitere Landschaft und Demografie zu bringen?
Ich denke, Unternehmen wie Emotiv leisten Großartiges, um die Hirn- und Neuroforschung voranzubringen. Abgesehen von den Anwendungen der Neurotechnologie im musikalischen und kreativen Bereich bin ich ebenso begeistert von den Fortschritten, die in Bezug auf die neurologische Crowd-Sourcing-Forschung erzielt werden. Während meiner Studienzeit habe ich festgestellt, dass traditionelle Forschung sehr langsam voranschreitet und die Teilnehmerpools durch Standort und Zugänglichkeit begrenzt sind. Die wissenschaftlich anspruchsvollen Headsets, die Emotiv entwickelt hat, bauen tatsächlich viele der Barrieren ab, die mit der traditionellen EEG-Forschung verbunden sind. Anstatt dass die Teilnehmer beispielsweise zu einem örtlichen Krankenhaus fahren müssen, können sie jetzt einfach ihr Gehirnwellen-Headset aufsetzen und sich mit dem Internet verbinden, um an einer Hirnforschungsstudie teilzunehmen. Das ist meiner Meinung nach eine bemerkenswerte Realität.
Sie haben die bahnbrechenden Headsets von Emotiv verwendet und damit wahrhaft unvergessliche Musik geschaffen. Ein Wort zu dieser Technologie und was sie für Künstler wie Sie bedeutet?
Die BCI-Headsets von Emotiv öffnen die Tür zu einer völlig neuen Art des kreativen Schaffens. Es gibt so viel, was wir als Künstler erforschen können, und ich ermutige andere Künstler ausdrücklich, mit dieser neuen Art des Musik- und Kunstmachens zu experimentieren. Habt Spaß dabei!

Angie Cs neues offizielles Musikvideo – Worlds Away.
„Star Seeds“, Ihr mit Spannung erwartetes Album, ist am Freitag, den 26. November, erschienen? Was darf man erwarten?
Ich freue mich riesig, dass mein Album am 26. November „gelandet“ ist. Das Album soll den Hörer auf eine Reise mitnehmen, die von düster und melancholisch bis hin zur Emanzipation und Freiheit des Geistes reicht. Ich verwende in meinen Songtexten gerne Doppeldeutigkeiten. Es stecken also viele versteckte Botschaften und Bedeutungen in den Worten selbst. Ich bin ein großer Fan von Autoren und Philosophen wie Rumi, von denen man nur wenige Worte lesen muss, um so viel Weisheit daraus zu gewinnen, wenn man seinen Gedanken freien Lauf lässt, reflektiert und nachdenkt. Das habe ich versucht, mit diesem Album einzufangen.
Klanglich würde ich dieses Album als Electro-Pop einordnen, aber wir haben auch einige spielerische Elemente wie gedankengesteuertes Klavier eingebaut. Im selben Raum wie der TONTO stand ein akustischer Flügel von John Broadwood aus dem Jahr 1900, also beschlossen wir, das Klavier aufzunehmen. Anschließend haben wir den Ton durch die Filter des TONTO geleitet und den Klang mit unseren Gehirnwellen verändert. Das war extrem experimentell, hat aber zu einer wirklich coolen Aufnahme und einer großartigen Geschichte geführt.
Sind Sie Ihrem gewohnten Musikgenre und -stil treu geblieben? Oder gibt es bei „Star Seeds“ mehr Experimente und Überraschungen?
Wissen Sie, ich habe das Gefühl, dass ich mit der Erschaffung meines „Star Seeds“-Albums endlich meinen künstlerischen Sound „gefunden“ habe. Einige Jahre lang hatte ich entweder Musik im Singer-Songwriter-Stil geschrieben und aufgenommen oder den Gesang für elektronische Tanzmusik beigesteuert. Ich denke, das Erschaffen dieses Albums hat es mir ermöglicht, diese beiden Musikstile miteinander zu verschmelzen, um etwas dazwischen zu finden, das sich klanglich richtig gut anfühlt, und dafür muss ich meinem Produzenten Trey Mills danken. Er ist großartig darin, Künstlern dabei zu helfen, ihren Sound zu finden. Das basiert nicht nur auf ihrem Musikstil, sondern auch darauf, wer sie als Person sind.
Nur den Geist zu nutzen, um Musik zu machen. Das mag für viele Leute ein wenig weit hergeholt klingen. Aber genau diesen Weg hat die Musikerin und Popstar Angie C eingeschlagen. Als Liebhaberin von Musik und Wissenschaft hat Angie Coombes (alias Angie C) den perfekten Weg gefunden, zwei ihrer Leidenschaften zu verschmelzen, um etwas wirklich Einzigartiges zu schaffen. Nach dem kürzlichen Erscheinen ihres neuesten Albums „Star Seeds“ sprach Angie C mit Emotiv über alles, was mit Musik zu tun hat, und über die Verwendung von Gehirn-Computer-Schnittstellen (BCI-Geräten), um ein ganz besonderes Musik- und Soundgenre zu kreieren, von dem sie fest glaubt, dass es die Zukunft sein könnte.
Ihre Leidenschaft für Musik – woher kommt sie Ihrer Meinung nach?
Meine Leidenschaft für Musik reicht bis in meine Kindheit zurück. Ich war etwa 3 Jahre alt, als meine Mutter mich zum Musikunterricht anmeldete. Ich erinnere mich, dass ich stundenlang Klavier spielte und es liebte, eigene Songs und Melodien zu schreiben. Meine Eltern waren beide musikalisch – meine Mutter war Sängerin und mein Vater spielte Gitarre.
Könnten Sie uns diesen einen Moment als Kind beschreiten, in dem Ihr Gehirn wie ein Weihnachtsbaum aufleuchtete, nachdem Sie eine Musik gehört hatten, die Sie für perfekt hielten?
Auf jeden Fall der Moment, als ich Beethovens Mondscheinsonate hörte. Ich war damals 8 Jahre alt und flehte meine Klavierlehrerin an, mir beizubringen, wie man sie spielt. Dieses Musikstück hat mein Leben verändert. Jedes Mal, wenn ich es spiele, entführt es mich an einen ganz anderen Ort.
Würden Sie näher auf Ihre beiden Leidenschaften – Musik und Wissenschaft – eingehen und wie sie enger miteinander verbunden sind, als die meisten denken?
Musik und Wissenschaft sind sicherlich enger miteinander verbunden, als die meisten sich vorstellen können. Es hat sich beispielsweise gezeigt, dass das Erlernen von Rhythmus und Timing in der Musik Kindern hilft, schon früh im Leben mathematische Fähigkeiten zu entwickeln. Ein weiterer interessanter Fakt ist, dass Musik unglaublich einzigartig ist, da sie das gesamte Gehirn anspricht – und nicht nur die linke oder die rechte Hemisphäre allein. Traditionell haben wir Wissenschaft und Musik als getrennte, nicht miteinander verbundene Einheiten betrachtet. Aber für mich ist das eine isolierte Sichtweise, und das müssen wir in unserer Gesellschaft ändern. Das Bildungssystem hält Musik und Kunst fast für unwichtig. Meiner Meinung nach sind sie jedoch absolut überlebenswichtig für die Gehirnentwicklung, da sie das gesamte Gehirn synchron arbeiten lassen.

Angie C hat eine tiefe Leidenschaft dafür, Musik mit Wissenschaft zu verbinden.
Sie wollten Ärztin werden, konnten diesen Traum aber aus bestimmten Umständen nicht verwirklichen. Haben Sie jedoch nach der erfolgreichen Verschmelzung von Musik und Wissenschaft einen Weg gefunden, das Beste aus beiden Welten zu genießen?
Ja, absolut! Die Verbindung von Musik und Wissenschaft hat mir viel Freude gebracht. Es treibt mich wirklich dazu an, auf vielen verschiedenen Ebenen unkonventionell zu denken. Um ehrlich zu sein, wenn ich ein neues Projekt beginne, fange ich tatsächlich ZUERST mit der künstlerisch-kreativen Vision an und betrachte es nicht aus einer rein logischen, wissenschaftlichen Perspektive. Ich mache dann Dinge wie eine Zeichnung des Designs anzufertigen oder eine Beschreibung aufzuschreiben, wie die Teile des Projekts meiner Meinung nach zusammenpassen werden. Das Interessante ist, dass jedes Mal, wenn ich das tue, wie von Zauberhand Menschen mit entsprechendem Fachwissen oder Fähigkeiten in meinem Leben auftauchen. Sie interessieren sich für das Thema, und wir tun uns anschließend zusammen, um das Projekt zum Leben zu erwecken. Das ist eigentlich ein ziemlich lustiger Prozess und ermöglicht es uns, scheinbar getrennte Bereiche zu überbrücken, um Kreativität und Innovation zu fördern.
Wie fühlt es sich an, eine der Pionierinnen bei der Nutzung von BCI-Geräten zum Erstellen und Abspielen von Musik zu sein?
Es fühlt sich fantastisch und aufregend an! Ich erinnere mich noch gut an den Tag im Jahr 2014, als ich auf die Emotiv-Website stieß. Ich entdeckte, dass das Unternehmen ein tragbares EEG-Headset entwickelt hatte. Etwa 6 Monate zuvor war ich neugierig geworden auf die Möglichkeit, binaurale Beats zu nutzen, um die Anfallsaktivität bei Epilepsiepatienten zu kontrollieren. Mir wurde klar, dass die einzige Möglichkeit, so etwas zu erforschen, ein Master- oder PhD-Studium wäre. Nur so hätte ich Zugang zu einer EEG-Ausrüstung im Krankenhaus erhalten. Ich hatte kein großes Interesse daran, wieder an die Universität zu gehen. Als ich dann Emotiv fand, war ich begeistert von all den potenziellen Anwendungen dieser neuen Technologie. Obwohl ich noch nicht mit binauralen Beats bei Anfallsaktivitäten experimentiert habe, hat es mir wirklich Spaß gemacht, die Dinge in eine kreativere Richtung zu lenken – indem ich die Emotiv-EEG-Headsets im Bereich Fashion Tech und Musik eingesetzt habe.
Sie waren die erste Person, die ein BCI-Gerät (das EPOC-Headset von Emotiv) in Kombination mit dem ikonischen TONTO-Synthesizer verwendet hat. Wie fühlte es sich an, die Musik aus dem TONTO nur mit Ihren Gedanken steuern zu können?
Es war ein unglaubliches Gefühl! Um ehrlich zu sein, herrschte bis zu unserem offiziellen Testtag mit dem TONTO noch eine gewisse Ungewissheit. Unser Ingenieur Mitchell Claxton hatte in Vancouver mit einem kleinen analogen Synthesizer an der Technologie gearbeitet. Mein Musikproduzent und ich waren in Calgary und stellten die ersten Rohdemos der Songs zusammen. Wir besprachen die Logistik des Aufnahmeprozesses mit den Technikern im Studio Bell, in dem der TONTO untergebracht ist.

Popstar Angie C über BCI und Musik – Das EPOC-Headset von Emotiv und der legendäre TONTO-Synthesizer sind das perfekte Duo.
Als wir uns schließlich alle im Studio Bell zu unserem Testtag trafen, war es das erste Mal, dass wir alle gemeinsam mit dem TONTO in einem Raum waren. Wir hielten während des Aufbaus alle irgendwie den Atem an. Aber als dann die ersten gedankengesteuerten Töne aus dem TONTO erklangen, weiß ich noch, wie Mitchell die Hände in die Luft warf und sagte: „Es funktioniert! Es funktioniert TATSÄCHLICH!“. Das war für uns alle ein ziemlich stolzer Moment.
„TONTO, BCI und Musik – das Gefühl war unglaublich.“
Was das Gefühl betrifft, den TONTO mit meinen Gedanken zu steuern, war es hochinteressant. Ich musste auf die Veränderungen in der Musik hören und gleichzeitig die Gedanken identifizieren, die ich im Kopf hatte. Und dann musste ich üben, mich auf diese Gedanken zu konzentrieren, um eine Veränderung des Klangs hervorzurufen. So konnte ich beispielsweise die Frequenz des Niederfrequenz-Oszillators (LFO) am TONTO steuern, indem ich mir eine violette Flamme vorstellte, die durch meinen Körper herabsteigt. Meine Freundin Jane hingegen konnte Dinge wie Resonanz und Filter-Cutoff steuern, indem sie daran dachte, durch die Galaxie zu fliegen. Die mentalen Impulse waren bei jeder Person, die das Headset ausprobierte, individuell. Ich denke, das könnte für den Endnutzer sehr vorteilhaft sein, da es ihm ermöglicht, gedankengesteuerte Musik auf seine ganz eigene Art und Weise zu erschaffen, basierend auf seinen eigenen Gehirnwellenmustern.
Über Ihre TONTO-Aufnahme, bei der Sie ein BCI-Gerät zur Musikerzeugung verwendet haben, wurde viel berichtet. Wie war die Reaktion in den musikalischen Insiderkreisen?
Bisher war die Resonanz sehr positiv, insbesondere in den Maker- und Synth-Communitys. Auf dem Maker Music Festival in diesem Jahr kam es sehr gut an und wurde von der Maker Faire Shenzhen vorgestellt. Ich gehe davon aus, dass das Interesse mit der Veröffentlichung meines Albums weiter steigen wird. Es ist voll von all den gedankengesteuerten TONTO-Klängen. Ich hoffe, dass es andere Menschen und Künstler auf der ganzen Welt dazu inspiriert, neue Wege zu Kreativität und Innovation zu entdecken. Und natürlich hoffe ich, dass es die Neurowissenschaften und das florierende Feld der Neurotechnologie ins Rampenlicht rückt. Wir leben in hochspannenden Zeiten!
Es gab und wird auch weiterhin einigen Gegenwind geben, wenn es darum geht, Neurotechnologie mit Musik zu verschmelzen. Was sagen Sie den Skeptikern?
Das ist eine hervorragende Frage. Ich denke, weil es sich immer noch um ein so neues Konzept handelt, stößt es durchaus auf einigen Widerstand, insbesondere wenn Menschen sich unwohl fühlen oder sich Sorgen über Dinge wie Gedankenkontrolle machen oder darüber, dass andere Leute „wissen“, was sie denken. Ich erinnere mich, als ich mein gedankengesteuertes LED-Kleid (namens Musethereal) präsentierte, schienen viele Leute von dem Gedanken abgeschreckt zu sein, dass jemand wissen könnte, was sie denken. Aber das ist bei der EEG-Technologie nicht der Fall. Natürlich können wir mit der EEG-Technologie Muster der elektrischen Aktivität des Gehirns sehen, aber wir können sie nicht dazu nutzen, die Gedanken der Menschen zu lesen.
„Neurotech, BCI und Musik haben zusammen viele Anwendungsmöglichkeiten.“
Was die Verschmelzung von Neurotechnologie mit Musik angeht, halte ich das eigentlich für eine wirklich gute Sache, insbesondere für jemanden, der eine körperliche Behinderung hat und kein traditionelles Instrument spielen kann. Dies wird ihnen ganz sicher viele Türen öffnen und auch zu mehr Freude in ihrem Leben führen, wenn sie sich über dieses neue Medium kreativ ausdrücken können.
Ich denke auch, dass dies spannende Auswirkungen auf Musikproduzenten hat. Vor etwa 10 Jahren wachte ich nach dem Besuch eines Raves mit dem fantastischsten Trance-Track im Kopf auf, hatte aber keine Möglichkeit, ihn in die physische Realität umzusetzen, ohne viel Zeit und Energie in die Produktion zu stecken. Später an diesem Tag unterhielt ich mich mit ein paar befreundeten DJ-Produzenten und sagte: „Ich kann den Tag kaum erwarten, an dem wir Musik buchstäblich herbeisehnen und durch Gedanken erschaffen können.“ Damals meinte ich das nur halb im Scherz, aber jetzt, da ich gedankengesteuerte Musik mache, glaube ich tatsächlich, dass das „Erschaffen von Musik durch bloßes Denken“ eine hohe Wahrscheinlichkeit hat, in Zukunft zu einer etablierten Praxis zu werden.
Wo sehen Sie die Zukunft im Zusammenspiel von Musik und Neurotechnologie?
In der Zukunft stelle ich mir vor, dass Menschen mit einem Gehirnwellen-Headset bzw. BCI-Geräten an ihren Computern sitzen und diese als Werkzeug zum Musikmachen nutzen. Ich denke, da sich die Bereiche der Neurotechnologie und der künstlichen Intelligen (KI) ständig weiterentwickeln, werden sie weiter verschmelzen, um prädiktive Algorithmen für Musikklänge zu erstellen.

Angie C glaubt, dass die Zukunft der Musik in BCI und Neurotechnologie liegt.
Wenn wir zum Beispiel auf das Gebiet der Radiologie schauen, wissen wir, dass KI Brustkrebs präziser und schneller erkennen kann als das menschliche Auge. Wenn wir diese Fähigkeit auf Musik und Neurotechnologie übertragen, ist es logisch, dass Menschen eines Tages an eine Snare-Drum denken können und die KI dieses bestimmte Gehirnwellenmuster erkennt, „Hey, das ist eine Snare-Drum“ registriert und dann der digitalen Audio-Workstation (DAW) wie Logic Pro, ProTools usw. den Befehl gibt, ein MIDI-Muster für eine Snare-Drum zu schreiben. Das mag weit hergeholt klingen, aber ich glaube fest daran, dass dies in den nächsten 5–10 Jahren möglich sein wird.
Neurotech und der Einsatz von BCI-Geräten in der Musik könnten in vielerlei Hinsicht von Vorteil sein, insbesondere für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Was denken Sie darüber, dass BCI-Geräte oder diese Technologie einen Paradigmenwechsel in der Art und Weise bewirken, wie Menschen mit besonderen Bedürfnissen Musik machen und hören?
Ich denke, Neurotech und der Einsatz von BCI-Geräten werden Menschen mit besonderen Bedürfnissen so manche Tür öffnen. Tatsächlich hat es das bereits getan. Dr. Adam Kirton, Kinderneurologe in Calgary, Alberta, Kanada, hat eine Initiative namens BCI4Kids ins Leben gerufen. Sie bemühen sich, Kindern mit besonderen Bedürfnissen den Zugang zu Gehirn-Computer-Schnittstellen zu ermöglichen, und erforschen, wie diese neuen Technologien genutzt werden können, um die Lebensqualität dieser Kinder und ihrer Familien zu verbessern. Ein kleiner Junge namens John nutzt BCI, um Gemälde ausschließlich mit seinen Gedanken zu malen – das ist einfach unglaublich! Sein Instagram-Name ist @brainpaintbyjohn, falls Sie sich einige seiner Kunstwerke ansehen möchten.
Ich habe bereits erste Gespräche mit Dr. Kirton und seiner Gruppe über gedankengesteuerte Musik geführt. Ich bin sehr gespannt, was wir zusammen mit BCI4Kids auf die Beine stellen können.
Welche Vorteile bietet die Verwendung eines BCI-Geräts zum Erstellen von Musik? Wie unterscheidet es sich von den traditionelleren Methoden?
Ich denke, der eigentliche Vorteil beim Erschaffen von Musik mit einem BCI-Gerät besteht darin, dass man kein physisches Instrument mehr spielen muss. Das Gehirn ist etwas absolut Glorreiches, und es gibt so viele Orte, an die wir in unseren Gedanken reisen können. Ich habe wirklich das Gefühl, dass die BCI-Technologie der Schlüssel zur Erschließung neuer Dimensionen in der Musik sein wird. Sowohl mein Produzent Trey Mills als auch ich sind uns einig, dass wir durch die Verwendung eines BCI-Headsets einige der bisher magischsten Momente in der Musik erlebt haben.
Glauben Sie, dass diese Methode die Musiklandschaft komplett erobern wird?
Ich denke, dass es irgendwann völlig normal sein wird, ein BCI-Gerät zum Musikmachen zu verwenden. Die Technologie entwickelt sich ständig weiter und verbessert frühere Versionen. Wenn man bedenkt, dass es erst 40 bis 50 Jahre her ist, seit die ersten Personal Computer auf dem Markt erhältlich waren. Und jetzt haben wir Smartphones, die wir buchstäblich in der Gesäßtasche tragen können – das ist unglaublich. Ich denke, sobald die BCI-Technologie im Mainstream bekannter wird. Durch die fortschreitende Integration von Neurotechnologie, Softwareentwicklung und KI habe ich keinen Zweifel daran, dass diese Methode der Musikschöpfung eine feste Größe in der Musiklandschaft sein wird.
Sie haben für viel Furore gesorgt (Wortspiel beabsichtigt), als Ihr gedankengesteuertes LED-Kleid 2016 auf der MakeFashion Wearable Technology Gala gezeigt wurde. Wie weit hat sich die Neurotechnologie Ihrer Meinung nach in den fünf Jahren seither entwickelt? Und was sind Ihrer Ansicht nach die Zukunftsmöglichkeiten für diesen so wichtigen Wissenschaftszweig? Sowohl im Hinblick auf die Musik als auch im weiteren Sinne?
Haha, tolles Wortspiel 🙂 Ich muss sagen, ich bin sehr beeindruckt davon, wie weit sich die Neurotechnologie in den letzten 5 Jahren entwickelt hat. Ich habe ursprünglich 2016 mit der Arbeit mit dem Emotiv EPOC+-Gehirnwellen-Headset begonnen. Zu dieser Zeit waren einige Softwareplattform-Integrationen von Emotiv noch ausgereifter als andere. Einer der Designaspekte, die wir für das gedankengesteuerte LED-Kleid berücksichtigen mussten, war der Bedarf an einem Computer-Prozessorsystem, das tragbar war.
Die Desktop-Anwendung von Emotiv (software program) war recht umfassend, aber das Tragen eines Laptops in einem Rucksack auf dem Laufsteg war natürlich nicht gerade modisch. Stattdessen entwickelte unser Ingenieur eine App für ein Android-Handy, die die Daten des EPOC+-Headsets verarbeiten und an einen Mikrocontroller senden konnte, der mit den LED-Leuchten des Kleides verbunden war. Sowohl der Mikrocontroller als auch das Android-Handy ließen sich leicht in einer Tasche auf der Rückseite des Kleidungsstücks verstecken.

Das gedankengesteuerte LED-Kleid (mit einem BCI-Gerät) wurde 2016 auf der MakeFashion Wearable Technology Gala präsentiert.
„Der Epoc X von Emotiv sieht wirklich gut aus.“
Schnitt zu heute – die Produkt- und Softwaresuite von Emotiv hat das Unternehmen zum Marktführer im Bereich der Neurotechnologie gemacht. Ich habe mir vor kurzem das neue Epoc X-Headset bestellt und kann es kaum erwarten, damit herumzuexperimentieren!
Was die zukünftigen Möglichkeiten für diesen entscheidenden Wissenschaftszweig betrifft, so glaube ich, dass wir erst an der Oberfläche dessen gekratzt haben, was in Zukunft möglich sein wird. Als ich 2002 an der Dalhousie University anfing, Vorlesungen in Neurowissenschaften zu besuchen, war ich erstaunt, wie jung und relativ unerschlossen das Feld der Neurowissenschaften eigentlich war. Das war für mich wirklich ein Schock, da wir in anderen Bereichen der Wissenschaft und Medizin so große Fortschritte gemacht hatten. Warum hatten wir nicht die gleiche Energie und Neugier in die Erforschung des menschlichen Gehirns gesteckt?
„Die Erforschung des Geistes durch Neurotech.“
Man sollte meinen, dies sei ein zentrales Interessengebiet, denn das Gehirn ist das, was uns – nun ja … menschlich macht. Aber aus irgendeinem Grund, vielleicht aufgrund der vermeintlichen Komplexität, fangen wir gerade erst an zu verstehen, wie das Gehirn und unser Verstand funktionieren. BCI-Geräte haben uns dabei natürlich sehr geholfen. Ich denke, wenn wir den Geist mithilfe neurotechnologischer Geräte erforschen, werden wir uns selbst und die Funktionsweise von uns Menschen am Ende des Tages viel besser verstehen. Ich glaube, es wird enorm viel bewirken, wenn wir lernen, unser Gehirn zu „hacken“, um ein höheres Maß an Erkenntnis und Erfolg zu erzielen.
Könnten Sie einem Zuhörer erklären, welche Aspekte in Ihren Songs mithilfe von BCI-Geräten eingeflossen sind? Und wie erschaffen Sie solche Musik?
Jeder Song auf meinem Album enthält ein besonderes Feature des gedankengesteuerten TONTO. Da wir nur zwei Tage Zeit für die Aufnahmen hatten, mussten wir wirklich mit einem soliden Plan an die Sache herangehen, worauf wir uns bei jedem Song konzentrieren wollten. So enthält beispielsweise der erste Song des Albums, Magnum Cherry, im hinteren Teil eine gedankengesteuerte TONTO-Lead-Synth-Melodie, während „Worlds Away“ im Mittelteil ein „Gehirnwellen-Solo“ bietet, das buchstäblich wie ein startendes Raumschiff klingt. Bei einigen anderen Songs des Albums haben wir auch mit gedankengesteuertem Klavier und binauralen Beats experimentiert.
Der Prozess, Musik mit einem BCI-Gerät zu machen, setzt sich immer mehr durch.
„Ich habe mir eine violette Flamme vorgestellt.“
Was den Prozess betrifft, so haben wir die Emotional-State-Algorithmen von Emotiv genutzt, um den vom TONTO kommenden Sound zu steuern. Unser Ingenieur hat eine Software eines Drittanbieters entwickelt, mit der wir sehen konnten, welche emotionalen Parameter (z. B. Stress, Engagement, Aufregung) bei der Person, die das Headset trug, am aktivsten und variabelsten waren. Diese Parameter nutzte er dann, um über eine von ihm hergestellte Spezialbox, die sogenannte „Brain Box“, ein Steuerspannungssignal an den TONTO zu senden.
Es lag an der Person, die das Headset trug, herauszufinden, welche Gedanken den vom TONTO kommenden Sound verlässlich veränderten. Bei mir waren es Dinge wie die im Geiste stumm gestellte Frage „Warum“ oder die Vorstellung einer violetten Flamme, die durch meinen Körper herabsteigt. Dadurch konnte ich Parameter wie Tonhöhe, LFO-Frequenz und Filter-Cutoff zuverlässig steuern. Das war eine äußerst interessante und aufschlussreiche Erfahrung.
Was denken Sie über Unternehmen wie Emotiv und deren Arbeit, Neurotechnologie und Neuroforschung in eine viel breitere Landschaft und Demografie zu bringen?
Ich denke, Unternehmen wie Emotiv leisten Großartiges, um die Hirn- und Neuroforschung voranzubringen. Abgesehen von den Anwendungen der Neurotechnologie im musikalischen und kreativen Bereich bin ich ebenso begeistert von den Fortschritten, die in Bezug auf die neurologische Crowd-Sourcing-Forschung erzielt werden. Während meiner Studienzeit habe ich festgestellt, dass traditionelle Forschung sehr langsam voranschreitet und die Teilnehmerpools durch Standort und Zugänglichkeit begrenzt sind. Die wissenschaftlich anspruchsvollen Headsets, die Emotiv entwickelt hat, bauen tatsächlich viele der Barrieren ab, die mit der traditionellen EEG-Forschung verbunden sind. Anstatt dass die Teilnehmer beispielsweise zu einem örtlichen Krankenhaus fahren müssen, können sie jetzt einfach ihr Gehirnwellen-Headset aufsetzen und sich mit dem Internet verbinden, um an einer Hirnforschungsstudie teilzunehmen. Das ist meiner Meinung nach eine bemerkenswerte Realität.
Sie haben die bahnbrechenden Headsets von Emotiv verwendet und damit wahrhaft unvergessliche Musik geschaffen. Ein Wort zu dieser Technologie und was sie für Künstler wie Sie bedeutet?
Die BCI-Headsets von Emotiv öffnen die Tür zu einer völlig neuen Art des kreativen Schaffens. Es gibt so viel, was wir als Künstler erforschen können, und ich ermutige andere Künstler ausdrücklich, mit dieser neuen Art des Musik- und Kunstmachens zu experimentieren. Habt Spaß dabei!

Angie Cs neues offizielles Musikvideo – Worlds Away.
„Star Seeds“, Ihr mit Spannung erwartetes Album, ist am Freitag, den 26. November, erschienen? Was darf man erwarten?
Ich freue mich riesig, dass mein Album am 26. November „gelandet“ ist. Das Album soll den Hörer auf eine Reise mitnehmen, die von düster und melancholisch bis hin zur Emanzipation und Freiheit des Geistes reicht. Ich verwende in meinen Songtexten gerne Doppeldeutigkeiten. Es stecken also viele versteckte Botschaften und Bedeutungen in den Worten selbst. Ich bin ein großer Fan von Autoren und Philosophen wie Rumi, von denen man nur wenige Worte lesen muss, um so viel Weisheit daraus zu gewinnen, wenn man seinen Gedanken freien Lauf lässt, reflektiert und nachdenkt. Das habe ich versucht, mit diesem Album einzufangen.
Klanglich würde ich dieses Album als Electro-Pop einordnen, aber wir haben auch einige spielerische Elemente wie gedankengesteuertes Klavier eingebaut. Im selben Raum wie der TONTO stand ein akustischer Flügel von John Broadwood aus dem Jahr 1900, also beschlossen wir, das Klavier aufzunehmen. Anschließend haben wir den Ton durch die Filter des TONTO geleitet und den Klang mit unseren Gehirnwellen verändert. Das war extrem experimentell, hat aber zu einer wirklich coolen Aufnahme und einer großartigen Geschichte geführt.
Sind Sie Ihrem gewohnten Musikgenre und -stil treu geblieben? Oder gibt es bei „Star Seeds“ mehr Experimente und Überraschungen?
Wissen Sie, ich habe das Gefühl, dass ich mit der Erschaffung meines „Star Seeds“-Albums endlich meinen künstlerischen Sound „gefunden“ habe. Einige Jahre lang hatte ich entweder Musik im Singer-Songwriter-Stil geschrieben und aufgenommen oder den Gesang für elektronische Tanzmusik beigesteuert. Ich denke, das Erschaffen dieses Albums hat es mir ermöglicht, diese beiden Musikstile miteinander zu verschmelzen, um etwas dazwischen zu finden, das sich klanglich richtig gut anfühlt, und dafür muss ich meinem Produzenten Trey Mills danken. Er ist großartig darin, Künstlern dabei zu helfen, ihren Sound zu finden. Das basiert nicht nur auf ihrem Musikstil, sondern auch darauf, wer sie als Person sind.

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